Bibel und christlicher Glaube

gottesbotschaft.de - 23.02.2020
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Wir haben alles von Gott

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Wir haben alles von Gott



Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!

Jesaja 29, 16


Dieser Tage sah ich eine der diversen Fernsehdiskussionen in der es um Erbschaftssteuer und Gerechtigkeit ging, wonach es, je nach politischem Lager, als ungerecht angesehen wird, wenn jemand, ohne eigene Leistung zu einem großen Vermögen kommt.

Um dieses Thema geht es mir heute aber nicht. Hängengeblieben bin ich an Aussagen derart, dass es doch viel befriedigender ist, wenn ich mir aus eigener Kraft ein Vermögen erworben und zu etwas gekommen bin.

Auch wenn auch das sehr theoretisch bis weltfremd ist, zeigt es doch eine typisch menschliche Einstellung, die im Glauben an die eigenen Fähigkeiten und die eigene Kraft besteht.

Wie sieht nun die Realität aus:

Gezeugt und geboren wurde ich ohne mein Zutun. Ich hatte keinen Einfluss auf die Familie, das Land und die Lebensumstände in die ich hineingeboren wurde. Auch meine Begabungen, Talente und Fähigkeiten und überhaupt mein Wesen konnte ich mir nicht aussuchen.

Dass ich keine Behinderung habe, keine lebensbedrohlichen Krankheiten hatte und vielen Gefahren entronnen bin, ist nicht mein Verdienst.

Auch nicht, dass es von Anfang an die Eltern und dann Menschen gab, die mich in meiner Art angenommen, mir Wege geebnet, Chancen gegeben und Türen aufgetan haben.

Es ist auch nicht mein Verdienst, dass das was ich gelernt habe in der Zeit meines Berufslebens gebraucht werden konnte.

Bei Licht besehen wurde mir alles geschenkt. Das einzige was ich tun musste war, es anzunehmen.

Damit bin ich aber kein Einzelfall. Was ich hier beschrieben habe, gilt ausnahmslos für alle Menschen, egal ob sie nun auf ehrliche Weise oder mittels diverser krummer Touren "etwas geworden" sind, wobei mir hier der Spruch einfällt: "Übst immer Treu und Redlichkeit, bringst du´s im Leben niemals weit!" Auch "krumme Touren" sind nur aufgrund missbrauchter und damit geschenkter Begabungen und Chancen möglich.

Es ist die menschliche Eitelkeit und der menschliche Stolz, der daran hindert, zu erkennen, dass wir aus uns heraus nichts vorweisen können.

Wenn wir die uns geschenkten Fähigkeiten und Chancen nutzen konnten, dann schreiben wir das "unseren Fähigkeiten" und "unserem Können" zu, sehen das als unseren "Verdienst" an und erheben uns stolz über die anderen, die vermeintlich dumm und unfähig sind. Und genau damit stellen wir uns gegen Gott.

Der Humorist Wilhelm Busch hat das so treffend ausgedrückt: "Wenn ein klüger ist als wir, das macht uns selten nur Pläsier, doch die Gewissheit, dass er dümmer, erfreut fast immer."

Als ich einmal über diese Eigenheit der menschlichen Natur nachdachte, ist mir regelrecht übel geworden. Warum sind wir nur so fies?

Der selbstherrliche Mensch nimmt auch nur sehr ungern Geschenke an. Das verletzt seinen Stolz, "als wenn man auf so was angewiesen wäre."

Und damit stellt er sich gleich nochmal gegen Gott weil er zu stolz ist, sich von Gott beschenken zu lassen. "Das sieht ja so aus, als wenn man auf Gott angewiesen wäre." Hier haben wir eines der Glaubenshindernisse.

Im heutigen Vers geht es schwerpunktmäßig um die Unzufriedenheit mit dem was man ist. Ob unzufrieden oder stolz: In beiden Fällen gilt, dass wir als Geschöpfe Gottes in Gottes Schöpfung hineingeboren wurden und damit Teil dieser Schöpfung sind und dass wir uns zu Gott halten müssen, wenn aus uns etwas zur Verherrlichung Gottes werden soll. Denn das ist der eigentliche Sinn unseres Lebens.

Und wenn es Gott schenkt, und alles mit rechten Dingen zugeht, dann dürfen wir auch eine Erbschaft dankbar annehmen.




In allen meinen Taten
lass ich den Höchsten raten,
der alles kann und hat;
er muss zu allen Dingen,
solls anders wohl gelingen,
mir selber geben Rat und Tat.

Nichts ist es spät und frühe
um alle meine Mühe,
mein Sorgen ist umsonst;
er mags mit meinen Sachen
nach seinem Willen machen,
ich stells in seine Vatergunst.

Es kann mir nichts geschehen,
als was er hat ersehen
und was mir selig ist.
Ich nehm es, wie ers gibet;
was ihm von mir beliebet,
dasselbe hab auch ich erkiest.

Ich traue seiner Gnaden,
die mich vor allem Schaden,
vor allem Übel schützt;
leb ich nach seinen Sätzen,
so wird mich nichts verletzen,
nichts fehlen, was mir ewig nützt.

Er wolle meiner Sünden
in Gnaden mich entbinden,
durchstreichen meine Schuld;
er wird auf solch Verbrechen
nicht stracks das Urteil sprechen
und haben noch mit mir Geduld.

Ihm hab ich mich ergeben
zu sterben und zu leben,
sobald er mir gebeut;
es sei heut oder morgen,
dafür lass ich ihn sorgen,
er weiß allein die rechte Zeit.

So sei nun, Seele, deine
und traue dem alleine,
der dich geschaffen hat.
Es gehe, wie es gehe,
dein Vater in der Höhe,
der weiß zu allen Sachen Rat.


(Lied ' In allen meinen Taten lass ich den Höchsten raten ', Paul Flemming (1609 - 1640) )




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