Bibel und christlicher Glaube

gottesbotschaft.de - 18.09.2019
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Anfechtung und Versuchung

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Anfechtung und Versuchung



Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

Meine lieben Brüder, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallt.

Matth. 26, 41 und Jak, 1, 2


Sollen wir nun Anfechtungen meiden oder sollen wir uns freuen, wenn wir von solchen ereilt werden?

Immerhin fiel auch Jesus in Anfechtungen, denn ER sagte zu seinen Jüngern:

Ihr aber seid´s, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen
(Lukas 22, Vers 28).

Liegt hier ein Widerspruch zwischen der Aussage im Matthäusevangelium und der im Jakobusbrief vor, oder wie ist die Sache zu sehen?

Die Antwort könnte so aussehen, dass zwischen Versuchung und Anfechtung unterschieden werden muss, wobei beide Begriffe eng verwandt sind und sich überschneiden können. In der Ursprache des Neuen Testaments wird zwischen Versuchung und Anfechtung nicht unterschieden.

Sinnvollerweise wird man den Begriff „Anfechtung“, vor der Jesus in Matthäus 26, 41, warnt, eher im Sinne von „Versuchung“ zu verstehen haben. Bei der „Versuchung“ geht es um verlockende Angebote, denen man ausgesetzt ist, wobei man diesen erliegen kann.

Hier sollen wir uns vorsehen, weil wir schwache Menschen sind und uns deshalb möglichen Versuchungen erst gar nicht aussetzen. Jeder weiß von sich, wo er seine Schwachstellen hat und was er demnach meiden muss.

Die Aussage in Matthäus 26, 41 bedeutet nicht, dass wir eine bestehende körperliche Schwäche mit Willenskraft überwinden könnten, wie das manchmal verstanden wird.

Mit dem Geist, der „willig ist“, ist der Heilige Geist gemeint, der allzeit bereit ist und uns bewahren will, demgegenüber aber das Fleisch versagt. Unter „Fleisch“ versteht die Bibel den fleischlich und damit weltlich gesinnten Menschen. Und dieses „Fleisch“ kommt auch beim Christen immer wieder zum Vorschein.

In Matthäus 26, 41 geht es darum, nicht den angenehmen Verlockungen der Welt zu erliegen um dadurch, „auf angenehme Weise“, unmerklich vom Glauben abzufallen. Hier will uns Jesus bewahren.

Bei der Anfechtung geht es hingegen nicht so sehr um „süße Verlockungen“, denen wir erliegen können, sondern um Belastungen, die sich aus dem Glaubensleben ergeben. Das kann der Fall sein, wenn ein Christ wegen seines Glaubens bedrängt oder benachteiligt wird oder feststellt, dass die Gottlosen erfolgreicher sind.

Er fragt sich dann, ob es sich überhaupt lohnt, weiter am Glauben festzuhalten und ob der Glaube nicht doch sinn- und nutzlos ist, so wie es die Gottlosen behaupten.

Während die Versuchung den Glauben an sich nicht infrage stellt, weil man wider besseres Wissen etwas Verkehrtes tut, ist die Anfechtung durch Fragen und Zweifel gekennzeichnet, denen man ebenfalls erliegen kann.

Darauf geht die Bibel verschiedentlich ein, wobei besonders der Psalm 73 zu erwähnen ist.

Die Anfechtung wird von Jakobus als etwas Positives beschrieben. Dies, weil die Anfechtung, wenn sie überwunden wird, eine Bewährung und Stärkung des Glaubens bewirkt, so wie es auch beim Beter des Psalms 73 der Fall ist.

Manche meinen, dass diejenigen, die keinen Anfechtungen ausgesetzt sind, überhaupt keine wirklichen Gotteskinder sind. Denn wenn jemand seinen Glauben ernsthaft lebt, müsste er eigentlich regelmäßig angefochten sein.

Soweit möchte ich aber nicht gehen.

Wir können Gott nur bitten, dass er uns bewahrt, unseren schwachen Glauben stärkt und uns nicht in Versuchung (und Anfechtung) führt, wie wir im Vaterunser bitten.




Darf ich wiederkommen mit der gleichen Schuld?
Hast du nicht verloren endlich die Geduld?
Ist denn deine Gnade also täglich neu,
dass du willst vergeben, auch so oft es sei?

Wenn ich so dich frage,
und ich seh dich an, o wie hat dein Herze
sich mir auf getan! Liebe, lauter Liebe
ists, die mich umfängt, ach - und eine Liebe,
wie kein Mensch es denkt.

Gnade und Vergeben heißt
das süße Wort; das trägt mich durch’s Leben,
nimmt den Jammer fort,
bringet Heil und Frieden in mein Herz hinein,
dass es schon hienieden kann recht selig sein.

Wahrlich, ich darf kommen
mit der gleichen Schuld, ich werd angenommen,
du trägst in Geduld. Halt mich dann gebunden
fest, o Herr, an dich,
dass ich werd erfunden in dir ewiglich!


(Lied ' ', Hermann Heinrich Grafe 1860 )




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