Bibel und christlicher Glaube

gottesbotschaft.de - 18.11.2019
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Der Mensch sieht was vor Augen ist.

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Der Mensch sieht was vor Augen ist.



Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.
1. Samuel, 16, 7

Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht.

Johannes 7, 24



„Man sieht nur mit den Herzen gut“, ist ein bekanntes Zitat. Und das ist zutreffender, als man denkt, und viel mehr als nur ein Ausspruch.

In unserem Kulturkreis sind wir ganz besonders darauf fixiert, die Dinge „logisch“ zu erfassen. Sie gelten nur dann als wahr und zutreffend und damit als „richtig“, wenn sie sich schlüssig und folgerichtig, mit anderen Worten „logisch begründen“ und sicht- und messbar beweisen lassen.

Das hat ganz gewiss seine Vorteile. Dabei wird aber übersehen, dass es neben der intellektuellen, verstandesmäßigen Wahrnehmung auch noch eine emotionale Wahrnehmung und eine emotionale Logik gibt, die man als „Instinktsicherheit“, „Intuition“ oder „emotionale Intelligenz“ bezeichnen kann, und die ebenso zu richtigen Ergebnissen führt.

Von ihrem Naturell her, werden Männer eher zur logischen und Frauen mehr zur emotionalen Wahrnehmung neigen. Beides ist aber gleich wichtig, wobei man die emotionale Wahrnehmung auf das „Herz“ und die verstandesmäßige Wahrnehmung auf das „Hirn“ bezieht. Im Idealfall werden sich deshalb Herz und Verstand die Waage halten. (Ein Grund auch warum sich Mann und Frau gegenseitig ergänzen sollen.)

Als „Herz“ wird der eigentliche Wesenskern des Menschen und im übertragenen Sinne auch der einer Sache bezeichnet. Viele Dinge lassen sich nur mit dem Herzen erfassen, wozu auch der Glaube zählt, da sich Gott nicht mit den Mitteln des menschlichen Verstandes und menschlicher Logik erfahren lässt. (Von daher sind Frauen für Glaubensfragen oftmals offener als Männer. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Purpurhändlerin Lydia, Apg. 16, 14ff.)

Da sich gläubige Menschen, im Gegensatz zu Atheisten, auf völlig anderen Wegen der Frage nach Gott nähern, können beide Seiten auch nie zu einer Einigung kommen.

Wenn man bedenkt, dass der Verstand des Menschen nur eine dünne Decke ist, unter der sich der gewaltige Bereich des uns nicht zugänglichen Unterbewusstseins erstreckt, das mehr emotional und irrational geartet ist, bekommt die Frage, was eigentlich den Menschen ausmacht, eine völlig andere Dimension.

Bemerkenswert ist hier, dass Gott das Herz, also den Wesenskern des Menschen ansieht, also das, was uns selbst gar nicht immer bewusst ist. Gott blickt also viel tiefer als wir das können.

Im 1. Buch Samuel, aus dem der heutige Vers stammt, geht es unter anderem darum, dass Samuel einen Nachfolger für den bei Gott in Ungnade gefallenen König Saul finden soll.

Samuel verhält sich hier typisch menschlich, indem er die Söhne Isais, an sich vorbeiziehen ließ, die sicher kraftvolle und imposante Männer waren, und die er nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilte.

Gott hatte aber den mehr unscheinbaren David erwählt, den niemand ernsthaft in Erwägung zog und den man als Hütejunge für die Schafe eingesetzt hatte.

Wer nach dem Augenschein urteilt, der urteilt nicht gerecht, wird uns in Johannes 7, 24 deutlich gemacht. Das sollte uns zu denken geben und vor Vorurteilen warnen, wenn wir es mit so genannten „komischen Käuzen“, „Sonderlingen“, uns unsympathisch und nicht zu uns passend Scheinenden, zu tun haben.

Ich habe es schon erlebt, dass solche Menschen plötzlich auftauten, wenn man ihnen ehrliches Interesse entgegenbrachte. Wir müssen immer wieder lernen, in allen Menschen Ebenbilder Gottes zu sehen, die von IHM so geschaffen wurden, wie sie sind und wo jeder einen Teil SEINES Wesens widerspiegelt.

Dass alle Menschen Sünder sind und der Rettung bedürfen ist eine andere Sache. Und hier sieht nur Gott ins Herz, und hier erkennt nur ER, wo es dem Einzelnen noch fehlt und wo Umkehr nötig ist. Deshalb gilt für uns: Nicht den Menschen sehen, der vor uns steht, sondern das, was Gott aus ihm noch machen kann.




Ein reines Herz, Herr schaff in mir,
schließ zu der Sünde Tor und Tür;
vertreibe sie und lass nicht zu,
dass sie in meinem Herzen ruh.

Dir öffn ich, Jesu, meine Tür,
ach komm und wohne du bei mir;
treib all Unreinigkeit hinaus,
aus deinem Tempel, deinem Haus.

Lass deines guten Geistes Licht
und dein hellglänzend Angesicht
erleuchten mein Herz und Gemüt,
o Brunnen unerschöpfter Güt;

und mache dann mein Herz zugleich
an Himmelsgut und Segen reich;
gib Weisheit, Stärke, Rat, Verstand
aus deiner milden Gnadenhand.

So will ich deines Namens Ruhm
ausbreiten als dein Eigentum
und dieses achten für Gewinn,
wenn ich nur dir ergeben bin.


(Lied ' ', Heinrich Georg Neuß, 1703 )




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